Farin Urlaub Racing Team: Die Wahrheit übers Lügen

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Man muss kein Ärzte-Fan sein, um die Ärzte gut zu finden. Man sollte aber kein Ärzte-Fan sein, um sie objektiv beurteilen zu wollen. Während Legionen von Farin Jünger dessen neues Solo-Werk „Die Wahrheit übers Lügen“ gewohnt euphorisch feiern, ist der Blick von außerhalb der Fanblase ein äußerst ernüchternder. War schon die letzte Ärzte-Scheibe eine Ansammlung belangloser Stückchen (mit wenigen Ausnahmen), geht jetzt auch Farins Racingteam diese Richtung. Gewohnt ist man bei den Ärzten (und deren Soloeskapaden) ja schon seit sehr langer Zeit, dass es einige echte Knaller gibt, dafür der Rest der CD zum Lahmpunk mutiert, doch auf die „Wahrheit übers Lügen“ sind Höhepunkte Fehlanzeige. Farin, wo sind deine witzigen Wortspiele, deine lustigen Verbalattacken? Die Idee, persönliche Texte zu schreiben, ist ja nett gemeint, doch mal ehrlich: Wer will das hören? Dass die Reime auch schon einmal besser waren, dass der erhobene Zeigefingur langsam nervt („Seltsam“) – all, dass könnte man Farin vorwerfen, wäre die Enttäuschung nicht so groß, dass sie sprachlos macht. Songstrukturen wiederholen sich ständig, B-Seite über B-Seite wird einem hier aufgetischt. Fast alles ist glattgebügelt, lediglich der schon bekannte Plan, viele verschiedene Stilrichtungen (Punk, Reggae, Rock) auf ein Album zu bannen, gehört zu den Pluspunkten der Scheibe. Und, was noch schlimmer ist: Die Spießerpunks der Toten Hosen haben zum gleichen Zeitpunkt eine richtig gelungene Old-School-Single auf den Markt geschmissen, wie ich zähneknirschend zugeben muss. Der Untergang des Abendlandes steht bevor.

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